Skagsanden Beach · Lofoten, NorwegenNordlicht · Flakstad Beach · Lofoten, Norwegen · 03.10. · 23:22 Uhr

02Reisebericht · Norwegen

Lofoten: Die Nacht, in der der Himmel grün wurde.

Elf Tage Lofoten im Herbst, zu dritt in einer Fischerhütte in Ballstad. Mit Wecker um fünf, Nudeln mit Tomatensoße und Nordlichtern vor der Haustür.

  • 26.09.–06.10.
  • Region Lofoten
  • ca. 7 Min. Lesezeit

Tag 1, Montag, 26. September: Von Leipzig nach Ballstad

Um 3 Uhr klingelte der Wecker. Gegen 4:10 Uhr wurde ich abgeholt, danach ging es zum Dritten im Bunde. Er musste nochmal kurz hoch, Mütze vergessen. Unser Flieger in Leipzig hob pünktlich um 6:05 Uhr ab. Wenn alles klappt, sollten wir um 17:30 Uhr in Evenes landen, nach 11 Stunden und 25 Minuten Flugreise. Soweit der Plan.

In Frankfurt hatten wir fast fünf Stunden Aufenthalt. Wir haben erstmal gefrühstückt und auf den Wartebänken ein bisschen geschlafen. Für Fotorucksack-Kuscheln war auch noch Zeit (wer kennt es nicht). Dann sollte es mit SAS nach Oslo gehen. Wir saßen schon im Bus vor der Maschine, als die Ansage kam, dass es technische Probleme gibt und alle zurück ins Terminal müssen. Eine Sicherung am Backup-Navigationsgerät war defekt. Schön... denkst du dir, wenn du in Oslo nur 1:55 h zum Umsteigen hast. Um 14:50 Uhr sind wir dann endlich gestartet, und der Anschlussflug war natürlich weg.

Morgenrot über den Wolken, Blick aus dem Flugzeugfenster auf die Tragfläche
06:20 UhrMo 26.09. · Über den Wolken
Reisender schläft auf einer Bank im Wartebereich am Flughafen Frankfurt, daneben Gepäck
08:40 UhrMo 26.09. · Flughafen Frankfurt

Für 2:45 h Verspätung gab es in Oslo immerhin drei Essensgutscheine. Die reichten für zwei Hotdogs, eine Bratwurst, ein Baguette und was zu trinken (Flughafen halt). Einer von uns hat die Mietwagenstation angerufen, und ich habe der Vermieterin geschrieben, dass wir nicht vor 2 Uhr nachts ankommen. Zum Glück hat sie den Schlüssel hinterlegt, sonst hätten wir im Auto geschlafen. Erst um 20:32 Uhr ging es weiter nach Evenes. Jetzt kann ja nichts mehr schiefgehen, dachten wir.

Nächtliches Vorfeld am Flughafen Oslo mit beleuchteten Flugzeugen

In Evenes fing es erstmal gut an. Alle drei Koffer waren da, der Peugeot 308 Kombi auch. Vor uns lagen 245 km, bei maximal 80 km/h. Nach anderthalb Stunden stand ein Auto quer vor einem Tunnel, Bauarbeiten, etwa eine Stunde warten. Da konnten wir nur noch lachen.

Weißer Mietwagen nachts vor der Fischerhütte in Ballstad, Lofoten

Wir sind also raus auf den Parkplatz und haben eine geraucht. Plötzlich fragte mein Kumpel: „Sind das Polarlichter?“ Ich sagte ja. So ganz glaubte er mir nicht und fragte zur Sicherheit noch den Tunnelarbeiter. „Ja, das sind Northern Lights.“ Gefreut hat er sich wie ein Schneekönig. Das Stativ lag natürlich tief im Koffer, also entstanden unsere ersten Nordlichter vom Armaturenbrett aus (einen Preis gewinnt man damit nicht). Beim nächsten Halt zum Rauchen waren sie wieder da. Diesmal stand das Stativ schon bereit, und ich habe noch schnell zwei, drei Bilder gemacht.

Um 3 Uhr waren wir endlich an unserem Rorbu im Naustplassen Rorbuer in Ballstad (wer keinen Fischgeruch mag, ist hier falsch). Nach 24 Stunden ging es ins Bett.

Grünes Nordlicht über Straßenlichtern vor einem gesperrten Tunnel, auf dem Weg nach Ballstad
02:27 UhrDi 27.09. · Vor dem gesperrten Tunnel
Erster Blick in die Fischerhütte in Ballstad bei Nacht, Gepäck auf dem Boden
03:08 UhrDi 27.09. · Endlich in Ballstad

„Sind das Polarlichter?“

mein Kumpel, nachts vor einem gesperrten Tunnel

Tag 2, Dienstag, 27. September: Leknes, 5 kg Nudeln und der erste Regen

Ein paar Stunden später gab es zum Frühstück Kaffee aus Deutschland, und dann sind wir über den Süßigkeitenvorrat hergefallen (gesundes Frühstück). Danach ging es zu Rema 1000 nach Leknes. Eingepackt haben wir vor allem Nudeln, 5 kg davon. Der Einkauf war sehr überschaubar, die Rechnung eher nicht (Norwegen halt).

Rotes Holzhaus am Hafen, davor ein weißer Kombi im Regen, Blick aus dem Fenster
09:19 UhrDi 27.09. · Der erste Morgen
Offener Kofferraum voller Einkaufstüten nach dem Einkauf in Leknes, Lofoten
11:56 UhrDi 27.09. · Einkauf in Leknes
Wohnraum der Fischerhütte in Ballstad mit Holzwänden, Esstisch und Fotoausrüstung

Nachmittags sind wir zum Rolvsfjorden gefahren, und dort fing es prompt an zu regnen (wie sollte es auch anders sein). In Steine kam dann die Sonne raus, so hell, dass uns der Himmel trotzdem ausgebrannt ist. In Mortsund blieb der Sonnenuntergang grau.

Abendbrot waren Nudeln mit Tomatensoße und Wienern. Als wir danach vor der Hütte standen, waren über dem Hafen Nordlichter. Wir sind noch zum Haukland Beach gefahren, aber dort waren sie schon schwächer. Ohne Mond und Schnee war alles fast schwarz, ohne Taschenlampe ging gar nichts. Ein paar nette Leute haben uns trotzdem fünfmal angeleuchtet, um zu schauen, ob da wirklich wer steht (danke auch).

Tag 3, Mittwoch, 28. September: Myrland im Regen und der Fehler mit dem Anhalten

Diesmal klingelte der Wecker schon um 5 Uhr. In Myrland nieselte es, und einer von uns meinte nur: „Das wird doch nix.“ Er hatte recht. Über einen rutschigen Abstieg kamen wir zum Strand und machten ein paar Bilder, dann schüttete es richtig. Die Ausrüstung kam unter Müllbeutel und wir in Einweg-Regenponchos. Nach einer halben Stunde haben wir aufgegeben.

Wir haben uns erstmal nochmal hingelegt und sind nachmittags zum Flakstad Beach gefahren. Einer von uns kletterte auf den großen Felsbrocken herum, und ich habe natürlich ein Video davon gemacht. Den Himmel, den wir uns zum Sonnenuntergang gewünscht hatten, gab es aber wieder nicht.

Zwei Stative auf den Felsen am Ufer bei Flakstad, dahinter ein spitzer Berg über dem Meer, Lofoten Bei Flakstad

Abends lag der KP-Index bei 5,0, also los zu einem Leuchtturm. Unterwegs rief mein Kumpel: „Halt an!“ Ich fuhr weiter („Da kommen wir sonst nie an“). Das war ein Fehler. Am Ziel sind wir bestimmt einen Kilometer gelaufen, und einen Leuchtturm gab es gar nicht (das hatte ich bei der Planung wohl übersehen). Auf dem Rückweg nieselte es, und zwei von uns rauchten eine Zigarre, warum auch immer. Die Nordlichter waren weg, und mein Kumpel war noch eine Weile sauer.

Tag 4, Donnerstag, 29. September: Hamnøy und die Monsterwelle

Zum Sonnenaufgang ging es nach Hamnøy, ca. 60 km. Auf der Brücke wurden es immer mehr Fotografen. Das Licht war wirklich gut, und über der Brücke stand sogar ein Regenbogen. Bei einem Infopunkt hingen Fischköpfe zum Trocknen, daneben standen alte Holzboote. Weiter ging es nach Reine (wandern hätte man hier können, in Schottland haben wir das noch gemacht).

Regenbogen über dem Wasser bei Hamnøy, ein Fotograf steht auf der Brücke Hamnøy
Stockfisch hängt zum Trocknen an hölzernen Gestellen, bei Hamnøy und Reine, Lofoten
Fotograf liegt bäuchlings auf einem Holzsteg neben einem Holzboot, bei Hamnøy und Reine, Lofoten
09:53 UhrDo 29.09. · Am Steg
Zwei Fotografen am Geländer eines Holzstegs, davor ein Holzboot und Trockengestelle, bei Hamnøy und Reine
10:00 UhrDo 29.09. · Am Steg
Ortsschild von Reine an der Straße

In Sørvågen haben wir an einer Mole aufgebaut. Sooo... das erste Foto war noch nicht im Kasten, da brach eine Monsterwelle über uns und die Ausrüstung. Wir schauten uns nur verdutzt an (Salzwasser schmeckt übrigens nicht). Mein Handy steckte in der hintersten Hosentasche. Zu Hause kam es bei 40 °C in den Backofen, und am nächsten Morgen lief es zum Glück wieder.

Panorama über die Hafenmole von Sørvågen, ringsum Berge und Wasser Sørvågen
Brücke nach Hamnøy unter steilen Bergen im Morgenlicht, davor ruhiges Wasser, Lofoten Hamnøy

Tag 5, Freitag, 30. September: Gimsøy und Uttakleiv

Den Tag fingen wir mit Regen an der Gimsøy Kirke an. Abends gab es in Uttakleiv dann einen guten Sonnenuntergang, und ich fand das „Auge von Uttakleiv“. Ein älterer Herr lief uns ständig ins Bild (Klassiker).

Tag 6, Samstag, 1. Oktober: Regen in Vareid und Unstad

Zum Sonnenaufgang spielte das Wetter nicht mit. Also haben wir uns im Regen erstmal Spots angeschaut, in Vareid und Flakstad und später in Nusfjord. In Unstad waren die Wellen schön, dazu gab es Schafe und einen Regenbogen. Zum Sonnenuntergang standen wir in Vareid, zwischen zwei Schauern blieb nur ein knappes Zeitfenster. Zur blauen Stunde ging es noch zur Buksnes Kirche.

Regentropfen auf dem Seitenspiegel, dahinter nasse Straße bei Vareid, Lofoten

Tag 7, Sonntag, 2. Oktober: Haukland Beach und Nusfjord

Früh waren wir am Haukland Beach. Es gab Hagel und Sandsturm bei starkem Wind, zwischendurch war es aber auch mal schön. Am Vormittag stand ein doppelter Regenbogen über dem Hafen von Ballstad. Am Abend dann Nusfjord. Die Bedingungen waren nicht optimal, ein paar schöne Bilder von dem kleinen Fischerdorf haben wir trotzdem.

Felsen und Sandrinnen am Haukland Beach unter rosa Wolken, Lofoten Haukland Beach
Seetang auf Felsen am Haukland Beach, dahinter grüne Berge im Gegenlicht, Lofoten Haukland Beach
Doppelter Regenbogen über dem Hafen von Ballstad, davor Felsen am Ufer
11:04 UhrSo 02.10. · Hafen Ballstad
Fotoapparat im Vordergrund auf Felsen am Wasser, dahinter zwei Fotografen mit Stativen, Nusfjord, Lofoten
18:29 UhrSo 02.10. · Bei Nusfjord

Tag 8, Montag, 3. Oktober: Skagsanden und die Nacht am Flakstad Beach

Zum Sonnenaufgang waren wir am Skagsanden, auf den Bergkuppen lag Schnee. Einer von uns hielt Schaum für Sand und stand plötzlich mit den Füßen im Wasser. In der Bucht daneben spiegelte sich die Bergkette, und ein paar neugierige Kühe schauten zu. Auf dem Heimweg fiel dann auf, dass jemand seine Schuhe vergessen hatte. Also umdrehen. Zum Sonnenuntergang gab es Megawellen in Uttakleiv.

Neugierige Kuh im hohen Gras vor einem Berg, nahe Skagsanden, Lofoten
11:37 UhrMo 03.10. · Unterwegs auf den Inseln
Altes Holzruderboot auf spiegelglattem Wasser, Lofoten
13:11 UhrMo 03.10. · Unterwegs auf den Inseln

Beim Abendbrot wurde der Himmel grün. Schnell aufgegessen und ab nach Flakstad. Am Strand standen bestimmt 14 Fotografen, bei 0 °C. Erst als die „Profis“ weg waren, wurden die Polarlichter richtig stark. Ständig haben wir uns nach einem Bild wieder um 180 Grad gedreht, weil einer rief, wo gerade was zu sehen war. Am Strand spiegelte sich alles. Nach 2,5 Stunden waren wir fast erfroren, aber glücklich. Danach blieben noch 4 Stunden Schlaf... der Sonnenaufgang wartete ja schon wieder.

Tag 9, Dienstag, 4. Oktober: Myrland und Nordlicht über Ballstad

In Myrland lagen nach dem Sturm überall Algen am Strand, und in Nusfjord fehlte abends das Licht. Nach dem Abendbrot kamen die Nordlichter aber nochmal, direkt über dem Hafen von Ballstad neben unserer Hütte.

Fotoapparat auf einem Felsen am Wasser, gegenüber eine Felsküste, Nusfjord, Lofoten
17:52 UhrDi 04.10. · Bei Nusfjord
Grünes Nordlicht über beleuchteten Rorbuer am Hafen von Ballstad, Lofoten
21:35 UhrDi 04.10. · Nordlicht über den Rorbuer

Tag 10 und 11, 5. und 6. Oktober: Von Ballstad zurück nach Leipzig

Der Mittwoch war zum Aufräumen und Packen da. Um 23 Uhr sind wir zum Flughafen nach Evenes los und haben dort auf den Sitzbänken noch etwas geschlafen. Der Rückflug am Donnerstag war dann fast schon langweilig. Um 6:45 Uhr ging es in Evenes los, wir sind in Oslo und Frankfurt umgestiegen und um 14:15 Uhr in Leipzig gelandet. 7,5 Stunden statt 24 (geht doch).

Beleuchtetes Armaturenbrett des Mietwagens bei Nacht
03:36 UhrDo 06.10. · Nachts nach Evenes
Reisender schläft auf Sitzbänken am Flughafen Evenes
04:56 UhrDo 06.10. · Flughafen Evenes
Tragfläche über einer Landschaft aus Wolken und Land, Blick aus dem Flugzeugfenster

Unser Fazit

  • Ballstad als Basis war eine gute Entscheidung, es liegt mittig auf den Inseln.
  • Auf den Wetterbericht kann man sich auf den Lofoten nicht verlassen.
  • Für Nordlichter wären Februar oder März wohl besser, dann reflektiert der Schnee.
  • Wenn einer „Halt an!“ ruft, dann anhalten.
  • Am Ende standen 1800 km auf dem Tacho, und das mit maximal 80 km/h.

Die Reise in Zahlen

11
Tage auf den Inseln
8
Spots auf den Bildern
245
Kilometer bis Ballstad
24
Stunden Anreise
14
Fotografen am Strand
1
Monsterwelle

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