Tag 1, Montag, 26. September: Von Leipzig nach Ballstad
Um 3 Uhr klingelte der Wecker. Gegen 4:10 Uhr wurde ich abgeholt, danach ging es zum Dritten im Bunde. Er musste nochmal kurz hoch, Mütze vergessen. Unser Flieger in Leipzig hob pünktlich um 6:05 Uhr ab. Wenn alles klappt, sollten wir um 17:30 Uhr in Evenes landen, nach 11 Stunden und 25 Minuten Flugreise. Soweit der Plan.
In Frankfurt hatten wir fast fünf Stunden Aufenthalt. Wir haben erstmal gefrühstückt und auf den Wartebänken ein bisschen geschlafen. Für Fotorucksack-Kuscheln war auch noch Zeit (wer kennt es nicht). Dann sollte es mit SAS nach Oslo gehen. Wir saßen schon im Bus vor der Maschine, als die Ansage kam, dass es technische Probleme gibt und alle zurück ins Terminal müssen. Eine Sicherung am Backup-Navigationsgerät war defekt. Schön... denkst du dir, wenn du in Oslo nur 1:55 h zum Umsteigen hast. Um 14:50 Uhr sind wir dann endlich gestartet, und der Anschlussflug war natürlich weg.
Für 2:45 h Verspätung gab es in Oslo immerhin drei Essensgutscheine. Die reichten für zwei Hotdogs, eine Bratwurst, ein Baguette und was zu trinken (Flughafen halt). Einer von uns hat die Mietwagenstation angerufen, und ich habe der Vermieterin geschrieben, dass wir nicht vor 2 Uhr nachts ankommen. Zum Glück hat sie den Schlüssel hinterlegt, sonst hätten wir im Auto geschlafen. Erst um 20:32 Uhr ging es weiter nach Evenes. Jetzt kann ja nichts mehr schiefgehen, dachten wir.
In Evenes fing es erstmal gut an. Alle drei Koffer waren da, der Peugeot 308 Kombi auch. Vor uns lagen 245 km, bei maximal 80 km/h. Nach anderthalb Stunden stand ein Auto quer vor einem Tunnel, Bauarbeiten, etwa eine Stunde warten. Da konnten wir nur noch lachen.
Wir sind also raus auf den Parkplatz und haben eine geraucht. Plötzlich fragte mein Kumpel: „Sind das Polarlichter?“ Ich sagte ja. So ganz glaubte er mir nicht und fragte zur Sicherheit noch den Tunnelarbeiter. „Ja, das sind Northern Lights.“ Gefreut hat er sich wie ein Schneekönig. Das Stativ lag natürlich tief im Koffer, also entstanden unsere ersten Nordlichter vom Armaturenbrett aus (einen Preis gewinnt man damit nicht). Beim nächsten Halt zum Rauchen waren sie wieder da. Diesmal stand das Stativ schon bereit, und ich habe noch schnell zwei, drei Bilder gemacht.
Um 3 Uhr waren wir endlich an unserem Rorbu im Naustplassen Rorbuer in Ballstad (wer keinen Fischgeruch mag, ist hier falsch). Nach 24 Stunden ging es ins Bett.
„Sind das Polarlichter?“
Tag 2, Dienstag, 27. September: Leknes, 5 kg Nudeln und der erste Regen
Ein paar Stunden später gab es zum Frühstück Kaffee aus Deutschland, und dann sind wir über den Süßigkeitenvorrat hergefallen (gesundes Frühstück). Danach ging es zu Rema 1000 nach Leknes. Eingepackt haben wir vor allem Nudeln, 5 kg davon. Der Einkauf war sehr überschaubar, die Rechnung eher nicht (Norwegen halt).
Nachmittags sind wir zum Rolvsfjorden gefahren, und dort fing es prompt an zu regnen (wie sollte es auch anders sein). In Steine kam dann die Sonne raus, so hell, dass uns der Himmel trotzdem ausgebrannt ist. In Mortsund blieb der Sonnenuntergang grau.
Abendbrot waren Nudeln mit Tomatensoße und Wienern. Als wir danach vor der Hütte standen, waren über dem Hafen Nordlichter. Wir sind noch zum Haukland Beach gefahren, aber dort waren sie schon schwächer. Ohne Mond und Schnee war alles fast schwarz, ohne Taschenlampe ging gar nichts. Ein paar nette Leute haben uns trotzdem fünfmal angeleuchtet, um zu schauen, ob da wirklich wer steht (danke auch).
Tag 3, Mittwoch, 28. September: Myrland im Regen und der Fehler mit dem Anhalten
Diesmal klingelte der Wecker schon um 5 Uhr. In Myrland nieselte es, und einer von uns meinte nur: „Das wird doch nix.“ Er hatte recht. Über einen rutschigen Abstieg kamen wir zum Strand und machten ein paar Bilder, dann schüttete es richtig. Die Ausrüstung kam unter Müllbeutel und wir in Einweg-Regenponchos. Nach einer halben Stunde haben wir aufgegeben.
Wir haben uns erstmal nochmal hingelegt und sind nachmittags zum Flakstad Beach gefahren. Einer von uns kletterte auf den großen Felsbrocken herum, und ich habe natürlich ein Video davon gemacht. Den Himmel, den wir uns zum Sonnenuntergang gewünscht hatten, gab es aber wieder nicht.
Abends lag der KP-Index bei 5,0, also los zu einem Leuchtturm. Unterwegs rief mein Kumpel: „Halt an!“ Ich fuhr weiter („Da kommen wir sonst nie an“). Das war ein Fehler. Am Ziel sind wir bestimmt einen Kilometer gelaufen, und einen Leuchtturm gab es gar nicht (das hatte ich bei der Planung wohl übersehen). Auf dem Rückweg nieselte es, und zwei von uns rauchten eine Zigarre, warum auch immer. Die Nordlichter waren weg, und mein Kumpel war noch eine Weile sauer.
Tag 4, Donnerstag, 29. September: Hamnøy und die Monsterwelle
Zum Sonnenaufgang ging es nach Hamnøy, ca. 60 km. Auf der Brücke wurden es immer mehr Fotografen. Das Licht war wirklich gut, und über der Brücke stand sogar ein Regenbogen. Bei einem Infopunkt hingen Fischköpfe zum Trocknen, daneben standen alte Holzboote. Weiter ging es nach Reine (wandern hätte man hier können, in Schottland haben wir das noch gemacht).
In Sørvågen haben wir an einer Mole aufgebaut. Sooo... das erste Foto war noch nicht im Kasten, da brach eine Monsterwelle über uns und die Ausrüstung. Wir schauten uns nur verdutzt an (Salzwasser schmeckt übrigens nicht). Mein Handy steckte in der hintersten Hosentasche. Zu Hause kam es bei 40 °C in den Backofen, und am nächsten Morgen lief es zum Glück wieder.
Tag 5, Freitag, 30. September: Gimsøy und Uttakleiv
Den Tag fingen wir mit Regen an der Gimsøy Kirke an. Abends gab es in Uttakleiv dann einen guten Sonnenuntergang, und ich fand das „Auge von Uttakleiv“. Ein älterer Herr lief uns ständig ins Bild (Klassiker).
Tag 6, Samstag, 1. Oktober: Regen in Vareid und Unstad
Zum Sonnenaufgang spielte das Wetter nicht mit. Also haben wir uns im Regen erstmal Spots angeschaut, in Vareid und Flakstad und später in Nusfjord. In Unstad waren die Wellen schön, dazu gab es Schafe und einen Regenbogen. Zum Sonnenuntergang standen wir in Vareid, zwischen zwei Schauern blieb nur ein knappes Zeitfenster. Zur blauen Stunde ging es noch zur Buksnes Kirche.
Tag 7, Sonntag, 2. Oktober: Haukland Beach und Nusfjord
Früh waren wir am Haukland Beach. Es gab Hagel und Sandsturm bei starkem Wind, zwischendurch war es aber auch mal schön. Am Vormittag stand ein doppelter Regenbogen über dem Hafen von Ballstad. Am Abend dann Nusfjord. Die Bedingungen waren nicht optimal, ein paar schöne Bilder von dem kleinen Fischerdorf haben wir trotzdem.
Tag 8, Montag, 3. Oktober: Skagsanden und die Nacht am Flakstad Beach
Zum Sonnenaufgang waren wir am Skagsanden, auf den Bergkuppen lag Schnee. Einer von uns hielt Schaum für Sand und stand plötzlich mit den Füßen im Wasser. In der Bucht daneben spiegelte sich die Bergkette, und ein paar neugierige Kühe schauten zu. Auf dem Heimweg fiel dann auf, dass jemand seine Schuhe vergessen hatte. Also umdrehen. Zum Sonnenuntergang gab es Megawellen in Uttakleiv.
Beim Abendbrot wurde der Himmel grün. Schnell aufgegessen und ab nach Flakstad. Am Strand standen bestimmt 14 Fotografen, bei 0 °C. Erst als die „Profis“ weg waren, wurden die Polarlichter richtig stark. Ständig haben wir uns nach einem Bild wieder um 180 Grad gedreht, weil einer rief, wo gerade was zu sehen war. Am Strand spiegelte sich alles. Nach 2,5 Stunden waren wir fast erfroren, aber glücklich. Danach blieben noch 4 Stunden Schlaf... der Sonnenaufgang wartete ja schon wieder.
Tag 9, Dienstag, 4. Oktober: Myrland und Nordlicht über Ballstad
In Myrland lagen nach dem Sturm überall Algen am Strand, und in Nusfjord fehlte abends das Licht. Nach dem Abendbrot kamen die Nordlichter aber nochmal, direkt über dem Hafen von Ballstad neben unserer Hütte.
Tag 10 und 11, 5. und 6. Oktober: Von Ballstad zurück nach Leipzig
Der Mittwoch war zum Aufräumen und Packen da. Um 23 Uhr sind wir zum Flughafen nach Evenes los und haben dort auf den Sitzbänken noch etwas geschlafen. Der Rückflug am Donnerstag war dann fast schon langweilig. Um 6:45 Uhr ging es in Evenes los, wir sind in Oslo und Frankfurt umgestiegen und um 14:15 Uhr in Leipzig gelandet. 7,5 Stunden statt 24 (geht doch).
Unser Fazit
- Ballstad als Basis war eine gute Entscheidung, es liegt mittig auf den Inseln.
- Auf den Wetterbericht kann man sich auf den Lofoten nicht verlassen.
- Für Nordlichter wären Februar oder März wohl besser, dann reflektiert der Schnee.
- Wenn einer „Halt an!“ ruft, dann anhalten.
- Am Ende standen 1800 km auf dem Tacho, und das mit maximal 80 km/h.
Die Reise in Zahlen
- 11
- Tage auf den Inseln
- 8
- Spots auf den Bildern
- 245
- Kilometer bis Ballstad
- 24
- Stunden Anreise
- 14
- Fotografen am Strand
- 1
- Monsterwelle
